Notarzteinsatz in Lipovo

 Guten Morgen, alle zusammen,

ich habe leider schlechte Nachrichten und muss einen Verlust melden.

Gestern Abend hat mein Ein-Ohr-Schaf einen Unfall gehabt, den ich mir auch nicht erklären konnte. Aus dem Ein-Ohr-Schaf ist ein Ein-Ohr-kein-Schwanz-Schaf geworden. Frauchen hat mich noch einmal darauf hingewiesen, dass ich gaaaaaaaanz vorsichtig beim Kuscheln sein soll. Also bitte, das bin ich doch immer! Aber das Schaf kränkelt so ein wenig vor sich hin. Es gab ein ganz seltsames Geräusch und dann kam auch schon Frauchen und hat es untersucht. An der Hüfte war etwas gerissen - oh je, Frauchen meint, da hilft nur eine Not-OP mit Fettabsaugung. Sie war zu dem Zeitpunkt nur verhalten optimistisch, ob wir das Schaf durchbekommen, aber sie hat sich Mühe gegeben. Da war vielleicht viel drin - ich war beeindruckt. Ich hätte auch mitgeholfen, aber das durfte ich nicht. Frauchen war lange beschäftigt und hat auch noch den kleinsten Krümel herausgeholt. 


Einen traurigen Anblick gab es, das Schaf sah gar nicht mehr so glücklich aus wie vorher. Ich wollte es direkt in mein Körbchen nehmen, es sollte ja schließlich nicht alleine bleiben. Frauchen hat seinen Zustand als kritisch beschrieben und meint, wir müssten abwarten, ob es über den Berg kommt.

Der restliche Abend war eine Verkettung unglücklicher Umstände: ich habe mich natürlich vorbildlich um den armen Patienten gekümmert und das Schaf liebevoll warm gehalten und ein wenig mit ihm gekuschelt. Och ne, jetzt kommt von hinten eine Stimme, die sagt, dass man nicht mit den Zähnen kuschelt. Also bitte!!! Vielleicht habe ich ein wenig geknabbert, aber ganz zärtlich. Auf einmal ist das Schaf ... sagen wir explodiert ... einfach so! Zuerst hat es das letzte Ohr verloren und seine Wunde hat sich weiter geöffnet. Da hatte das Schaf auf einmal mehr Teile als vorher, streng genommen war es ja mal nur ein Teil. Ich habe auch versucht, es wieder wie ein Teil aussehen zu lassen und alles andere zu essen. Aber das war gar nicht so einfach und die Spaßbremse Frauchen hat es natürlich mitbekommen und meinte, es wird Zeit, dass wir uns von dem Schaf verabschieden.

Jetzt bin ich also wieder ein Ohne-Schaf-Hund und ein wenig traurig. Das Schaf hat mich nur kurze Zeit begleitet, aber es war eine schöne Zeit, die mir viel bedeutet hat. Ich weiß noch, wie gut das erste Ohr geschmeckt hat ... äh, wie einfach man es daran in das Körbchen tragen konnte, meinte ich natürlich.

Mal gucken, was ich mir als Ersatz suche. 
Einen lieben Gruß aus Montenegro schickt Euch
Euer Rudi


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